| Meckermann (Februar 2002) | |||
| Meckermann 1.2.2002 (Photo Meckerfrau) | |||
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Aber was da in der Zeitung stand, machte nachdenklich: Da hat doch so ein Querschläger von Skinhead in Huttwil einen Vietnamesen angepöbelt, angegriffen und bewusstlos geschlagen. Des Ausländers Freundin, eine Schweizerin, kam darauf dem Kollegen aus Laos zur Hilfe. Ganz gesetzeskonform – sie leistete Hilfe bei konkreter Bedrohung eines Mitmenschens. So lange jedenfalls, bis der Skinhead seine Fäuste in den Sack nahm und den Schwanz einzog. Eine lobenswerte Frau, diese Schweizerin. Gesetzgetreu. Konform. Und mutig. Wer stellt sich heute denn diesen Stiefelträgern sonst noch entgegen? Für diese Bürgerpflicht, die hierzulande keine Selbstverständlichkeit mehr ist, wurde die Frau für den „Prix Courage“ des Beobachters nominiert – eine Auszeichnung für Bürger, die sich durch mutige Taten aus der grossen Masse hervorheben. Nun würde Meckermann denken, nachdem dieser Vorfall bekannt geworden war, dass sich da die Polizei drum kümmern und dem Schläger auf die Pelle rücken würde. Denn der hatte ja mit der Drescherei angefangen. Aber in Huttwyla läuft so etwas andersrum, deshalb der kleine Erstickungsanfall bei Frühstückgipfel in Meckermanns Küche. Denn: Der Skinhead ging zur Polizei und zeigte die junge Frau wegen tätlichen Angriffs an, im Fachjargon heisst das Tätlichkeit. Und prompt wurde diese Anzeige angenommen, weiter untersucht und siehe da: Die mutige Frau, die sich für ihren Freund gewehrt hatte, erhielt eine Busse von 150 Franken. Aufgrund der Anzeige des Skinheads. Die Moral von der Geschichte: In einigen Leserbriefen wollten Leute das Geld für die Busse spenden, in anderen fragten sich Bürger, was da in Huttwyla los sei, ob Justitia plötzlich auf beiden Augen blind geworden ist. Und seit da herrscht wieder Ruhe, Huttwyla, das vordere und das hintere Emmental gehen weiter dem Alltag nach, es war ja nichts passiert. Das zuständige Untersuchungsrichteramt wiegelt ab. Man habe eben der Anzeige des Skins nachgehen müssen. Und rechtsextrem sei man deswegen schon gar nicht. Der Skin hätte eine formelle Anzeige aufgegeben, der nachgegangen werden müsse, das sei so vorgeschrieben. Schliesslich hätte die Angeklagte ja gegen die Busse Einsprache erheben können. Basta. Das Blumenstädtchen rüstet wieder die Geranien im Keller, damit diese dann im Frühjahr die altehrwürdigen braunen Häuschen schmücken, die Flaggen und Fahnen werden gewaschen und gebügelt, auch für den Frühling, denn beflaggte Dörfer sehen einfach grösser aus als sie wirklich sind. Am Stammtisch beim Bahnhof spricht man jetzt über die Olympiade, unter sich, die Ausländer sitzen irgendwo anders. Zivilcourage wurde einmal mehr mit einer Busse bestraft. Aber wehe, wenn die junge Frau an einem Unfall vorbei gefahren wäre, ohne sofort Hilfe zu leisten. Das hätte eine viel höhere Strafe gegeben. Man denke nach... Szenenwechsel. Im Spiegel und im Web erschienen viele Berichte zu den Bushims – eine Auflistung der orthografischen und stilistischen Fehler, mit denen sich Bombenfreak Bush in den letzten Monaten öffentlich blamierte. Da die amerikanische Sprache eh auf ein Minimum an Regelwerk beschränkt ist, müsste man meinen, ein Präsident sei da wenigstens in der Heimatsprache sattelfest. Aber denkste. Die Bush-News lesen sich so herrlich, dass Meckermann da sofort an alle anderen Analphabeten dieser Welt dachte, die nicht schreiben, nicht lesen und nur behindert sprechen können. Ob Bush schreiben kann oder schreiben lässt, sei dahin gestellt. Ob er lesen kann, welchen Stuss er oder seine Schreiber raus lassen, weiss Meckermann auch nicht. Was Bush dann aber in seinem Kauderwelsch erzählt, scheint schon eher Englisch für Buschmänner zu sein. Meckerfrau las das auch und dachte nach: „Vielleicht hatte der Bush gerade Sprachunterricht genommen, als er in seine Bretzel biss und fast daran erstickte?“ Meckermann tippt da, seit er Bush samt Schramme auf der Wange neulich im TV sah, eher anders rum. Der Präsident wollte beim Whiskygurgeln schnell mal einen Satz auswendig lernen. Fehlerfrei, wenigstens einen Satz. Dabei ist er dann ohnmächtig geworden, weil er gemerkt hatte, dass er selbst diesen einen wichtigen Satz „Ich bin ein Amerikaner“ nicht raus brachte, sondern daraus ein „I am America“ machte. Was ja so falsch auch nicht ist, jedenfalls aus der Sichtweite des Bretzelessers. Und heute berichtet der Tagesanzeiger direkt online, dass sich Bush seine Bretzel weiterhin munden lasse... – man kann ja hoffen... Vorkoster werden ist nicht schwer, Vorkoster bleiben dagegen sehr. Auch so ein amerikanisches Rückbleibsel aus dem Mittelalter (da gab es die USA zwar noch nicht, aber eigentlich hat Amerika auch ohne Amerikaner eine Geschichte...). Der Brockhaus Mulimedial, dem Meckermann jedem Leser ans Herz legen möchte, da hier so viel Wissen zusammen getragen wurde, das für die allermeisten allgemeinen und auch vertieften Recherchen ausreicht, sagt dazu: „Noch immer geheimnisumwoben. Wer waren die ersten Amerikaner? Inzwischen ist es unbestritten, dass Amerika schon vor den asiatischen Großwildjägern, die vor ca. 11000 Jahren die damalige Landbrücke über die Behringstraße benutzten, besiedelt war. Im Süden Perus wurden Schiffstrümmer, bearbeitete Holzstücke und Feuerstellen gefunden und untersucht, deren Alter mit etwa 12000 und 12700 Jahren angegeben wird. Aber schon Anfang der Achtzigerjahre stieß eine brasilianisch-französische Forschergruppe im Nordosten Brasiliens unter anderem auf Feuerstellen, die bis zu 30000 Jahre alt waren. Und am Fundort Boqueirão da Pedra Furada fanden sich Höhlenmalereien, die man auf 17000 Jahre zurückdatierte. Sie stammen damit aus der gleichen Zeit wie die Zeichnungen in den Höhlen von Lascaux und Altamira.“ Weil die dort drüben so Angst haben, es könnte einer kommen und etwas Zyankali in die Hamburgerpampe streuen, werden jetzt in vielen Restaurants, die alle der Nobelklasse angehören (Speisekartenauszug: Royal Hamburger, hot, fresh lobster and salad, cold, Coke on the rocks, $ 29.95) Vorkoster gesucht. Leute also, die zuerst probieren, was dem Gast auf den Tisch gestellt wird. So der Vorkoster während drei Minuten überlebt, kriegt der Gast sein Diner. Meckerfrau hintersinnt sich: „Und wenn im Essen ein Gift drin ist, das erst nach sechs Stunden wirkt?“ Ist kein Problem, denkt sich Meckermann. Dann sind halt Vorkoster und Gast vergiftet oder tot. Ob Bush nun auch einen Vorkoster anstellt, ist noch ungewiss – der arme Mensch müsste ja ständig zwischen Bretzeln und Whiskyflaschen rumpendeln und ausprobieren. Böse Zungen behaupten ja, dass die Inserate „Vorkoster gesucht“ aus ganz anderen Gründen geschaltet wurden: Man will damit die Arbeitslosigkeit bekämpfen und gleichzeitig die Bevölkerungszahlen stabil halten. Was eigentlich ein Widerspruch ist: Arbeitslose sterben bekanntlich schneller, Vorkoster auch. Da ist ein Minuswachstum bei der Bevölkerung angesagt. Ganz im Gegenteil zur Schweiz. Wir sind in zehn Jahren um 6 Prozent gewachsen. Fleissig, fleissig. Dreifuss müsste Freude haben – die Renten scheinen auf den ersten Blick in die Statistik wieder gesichert. Aber eben scheinbar nur scheinbar. Denn der Bevölkerungszuwachs ist nicht auf einen Babyboom zurückzuführen, sondern auf Einwanderungen. Und da hört Meckermann schon wieder die Stimme aus dem Albisgüetli: „Stoppt die Einwanderungen“*. Der Herr, der da sprach, hat es leicht – seine Rente ist ihm eh sicher, auch wenn er sie vom Zins seines Zinseszins-Kontos beziehen muss. Ob der Herr selbst auch einen Vorkoster beschäftigt, ist nicht auszumachen – jedenfalls isst er lieber Buurehamme denn Cevapcici. Bauer, bleib bei Deinen Leisten... Andere Dörfer, andere Sitten. Langenthal, seit einigen Jahren vom Dorf zur Stadt aufgestiegen, wollte rund acht Jahre lang endlich wie eine echte Grosstadt auch eine autofreie Einkaufszone. Da waren alle dafür, Geschäftsinhaber, Discounter, Kneipen, Hotels, einfach alle. Aber es brauchte dennoch acht Jahre, bis das Vorhaben realisiert worden ist. Meckerfrau meint, das sei eigentlich recht zügig über die Bühne gegangen, wenn man bedenke, dass die Oberaargauer noch langsamer seien denn die echten Berner. Nun aber regt sich Widerstand. Denn die Flanierzone ist leer. „Ich laufe doch nicht dreihundert Meter, um ein Brot zu kaufen“ – so schreibt die Lokalzeitung und zitiert einen Langenthaler damit. Die Gewerbler klagen über massive Einbussen, die Restaurants über sauer gewordene Cremeschnitten, die Discounter darüber, dass ab Stange gekaufte PCs nicht eingeladen werden können und niemand seinen neuen Kühlschrank bis ins nächste Parkhaus schleppen wolle. Die SP machte einen Wettbewerb, wie die verkehrsfreie Zone wieder belebt werden könne. Und dann der Hammer: Jetzt wird vorgeschlagen, diese endlich befriedete Zone wieder dem Auto zu öffnen. Damit es mehr Leben habe in der Schlafstadt, die um 19 Uhr die Trottoirs rauf zieht. Meckermann findet das lässig – er muss dann nicht mehr rund um die Stadt fahren, um zum Fust zu kommen. Und auch nicht im Kakao parkieren, nur um auf der Bank das Taschengeld abzuholen. Jeder kriegt, was er verdient. Meckermanns Opa hatte diesen Spruch von seinem Ur-Opa. Aber scheinbar gilt der Satz auch heute noch. Wenn auch nicht für jeden und alles. In diesem Sinne bis in den März... * Nachtrag: Diese Site sollte man sich mal ansehen, speziell als Leser im Ausland! Hat wenig mit dem Einwanderungsproblem zu tun, mehr mit der Möglichkeit, Geld einwandern zu lassen... |
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