Meckermann (Juni 2002)
 
Meckermann 1.6.2002
 
Meckermanns schlaflose Nächte (II)

Abschied nehmen

Gute Freunde sind wie gute Bücher. Man tastet sich immer wieder zu ihnen vor, schlägt diese oder jene Seite auf. Denkt laut über den Sinn, den Inhalt nach. Diskutiert sich nächtelang die Stimme heiser.
Und freut sich beim Abschied, dass es bald einmal ein Wiedersehen geben wird.

Eugen Bänziger
Auf dem langen Weg zum Mond
Tusche/Feder/Aquarell 48x62cm

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Eugen Bänziger war für Meckermann so ein Buch, eines, das immer und immer wieder aufgeschlagen, das immer und immer wieder durchgeblättert worden ist; ein Buch, das keinen Anfang hatte und auch kein Ende, ohne Kapitel, ohne Inhaltsverzeichnis – aufschlagen, reinschauen, und stets neu und verblüfft verzaubert werden. Eugen Bänziger ist anfangs Mai verstorben – ein Buch hat sich aufgelöst, eine Erinnerung an einen Menschen ist geblieben. Und wer sagt denn da, dass Meckerer nicht auch trauern dürfen?
 
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Wenn eine Freundschaft über 35 Jahre gedauert, gelebt hat, wenn sich die Erinnerungen türmen und dem Alltag keinen Platz machen, wenn das Herz überläuft und die Augen keine Tränen mehr spenden, weil die Tränen geweint und die Schreie in der Stille der Nacht verhallt sind, echolos, wenn die Definition des Definitiven als Todesanzeige definitiv in der Zeitung steht, dann heisst es Abschied nehmen.

Abschied von Eugen. So viele gemeinsame Stunden, Tage, Wochen und Monate beschreiben, das geht nicht, da ist zu viel dabei, das nur Freunde berührt, zu viel, das für Aussenstehende banal klingen dürfte, zu viel, viel zu viel über das Gefühl, die eigenen Wurzeln verloren zu haben. Und manches auch, das im eigenen inneren Schatzkästchen versorgt bleiben möchte, nicht weil es die Öffentlichkeit scheut, sondern weil die Öffentlichkeit das schon gar nicht nachvollziehen könnte.

Diese Entwurzlung, das Fehlen der Eiche, an die sich Meckermann immer dann lehnen konnte, wenn es ihm schlecht ging, der Fels in der Brandung, der nachts um drei Uhr noch anrief und Trost spendete, selbst um die eigene Krankheit wissend, aber Hilfe anbot, wann immer, wo immer, wie immer, all das zehrt. Und zerrt. Und zerreisst fast schon.

Eugen starb wenige Tage vor seinem 65. Geburtstag an einer schweren Krankheit im Spital in Winterthur. Sein Hausarzt half ihm so gut er konnte, die letzten Wochen menschenwürdig zu leben. Dafür gehört dem Arzt Meckermanns Dank.

Jetzt ist das Tränenreservoir wieder gefüllt, die Schreibe geht nicht mehr. Mehr zu Eugen finden Sie unter www.presseunddaten.ch im Untermenü Kunstobjekte.

Meckermann

 
 
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