Meckermann (August 2002)
 
Meckermann 1.8.2002
 
Alles so friedlich

Meckermann staunt sich durch die Medien. Da wird berichtet, dass ein vermisster älterer Herr im Berner Oberland, mitten in den Bergen, dort wo der Hausi jodelt und seinen Alpsegen ins Tal sendet (den Obolus für die Werbung möge der Verkehrsdirektor bitte direkt an die Reporter ohne Grenzen überweisen) und von unten das Vreni mit dem Muni Fangis spielt und rauf zum Hausi jodelt, „ig hang e, er haet mi aber au“, der eines Tages auf seiner Wanderung durch die Bergwelt nicht zurück gekehrt ist.
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Suchtrupps suchten, sondern wären sie keine Suchtrupps, sondern einfache Zivilschützer, die lieber am Stammtisch sässen, statt sich 5 Stunden über Stock und Stein zu plagen, und suchten, und auch die Schnüffelnasen fanden nichts. Dann kam ein Helikopter. Der fand auch niemanden. Und weil solche Einsätze erst dann echt wirken, wenn wirklich mal was rum donnert, wurde laut Berner Zeitung noch eine Mirage eingesetzt. Als letzter Versuch. Mal stelle sich vor, die flattert mit 700 Kilometer (gedrosselt) durch die Bergmassive und da sitzt einer drin, der hat so einen Infrarotmesser und ein anderer nebenan, der hat ein spezielles Fernrohr. Der Infrarotwärmemesser gibt an, wo sich irgendwelche irdische Lebenswärme (von Maulwurf über Gemse ((sorry, Gämse)) bis zum Mensch) befindet. Der am Fernrohr meldet – auffällige Bewegung gesichtet, vor drei Kilometern. Mirage macht Sturzflug, donnert über die Kleine Scheidegg, kehrt um. Die Bewegung war ein Murmeltier, die irdische Wärme eine Ziegenherde auf der Hochalp. Meckermann fragt sich, ob das alles der Steuerzahler berappen darf. Und wenn schon, warum denn nicht gleich ein Aufklärungsflugzeug aus den USA mit Überschallgeschwindigkeit angefordert worden ist, samt Ultraschallkamera – dann hätten wir doch gleich den gesamten Ameisenbestand in den Berner Alpen statistisch erfasst...

Aber wir leben ja so friedlich und sagen da nichts dazu...

Genauso friedlich geht es am 1. August auf den Arteplages an der Expo zu: Es werden verschärfte Kontrolle durchgeführt, schreibt wieder die BZ. Und diesmal nicht wegen der verbotenen und selbst mitgebrachten Säftchen, sondern wegen der Raketen, Feuerwerkskörper, Knaller, Knallfrösche und solchem Zeugs, dessen Kosten besser an die Mediziner ohne Grenzen überwiesen worden wäre. Schliesslich habe Biel und Neuenburg zwei riesige Feuerwerke angekündigt und keine Zeitung scheut sich, den kommenden Nationalfeiertag (für die Nichtschweizer: das ist unser 14. Juli oder in Deutschland der Nationaltrauertag –ähm) den auch als Expo-Spezial Day in Farbe und redaktionell zu geniessen. Kommet. Ihr Helvetia-Kinder, aber bringt ja nichts mit. Man fürchtet um die Sicherheit. Haben wir doch eine friedliche Schweiz. So herrlich frei, dass selbst Feuerwerk konfisziert wird, wenn es am Nationalfeiertag an eine nur alle paar Jahrzehnte stattfinde Nationalausstellung mitgebracht werden soll. Könnte ja Terroristenware drunter sein. Und die Medien im Ausland finden:

Alles so friedlich in der Schweiz, die dürfen nicht mal mehr Knallkörper dort hoch jagen, wo sie wollen.

Dafür haben wir ein anderes Problem: Wir haben keine Walfische. Das ist wichtig und bitte zu speichern, wir haben wirklich keine, sieht man von den geplagten Tieren ab, die sich da in irgendwelchen Schausteller-Buden dreimal um die eigene Achse drehen dürfen. Da wir also keine Walfische haben, ist es schwer, da irgendwelche Petitionen gegen die Walschlachterei in Japan und neuerdings auch wieder in Norwegen zu starten und mit genügend Unterschriften auch einzureichen. Etwa auf dem Sitz des norwegischen Konsuls. Nicht auf dem amtlichen, auf dem privaten – samt echter Demo wie früher mal. Wäre medienwirksam, wenigstens ein Bildchen und 30 Zeilen im Blick, das Doppelte im Tagi und ein paar Agenturmeldungen.

Ist doch friedlich, unser Ländlchen, über solche Sachen wird berichtet.

Doch, zwar nicht so viel wie über jenen Altmeister der Zauberei, der für Meckermanns Region seit Wochen Regen und Gewitter verspricht, aber das alles immer über dem Jura vorbeirauschen oder in Huttwil und Umgebung die Bäche zu Flüssen werden lässt. Meckermann muss spritzen, um seinen Urwald zu retten, spritzen mit Wasser natürlich. Das freut die Gemeinde, da kommt Geld in die Kasse.

Ist doch so friedlich hier in der Schweiz, Meckermann könnte sich nichts Schöneres vorstellen.

Schliesslich haben wir triefende Gletscher. Interessenten, die das Matterhorn kaufen möchten. Bankenheinis, die sich dumm und dämlich verdient haben und dann in den Wohlstand ausgezogen sind. Wir haben die perfekte Polit-Wirtschaftslobby, viel verfilzter als in Österreich, und die michelt so lange herum, bis fast alle Medien glauben, dass diese Michels gar nicht micheln, sondern das alles ernst meinen und dafür auch Statistiken auflegen können, also muss das Gemichele ja was sein, sonst wären die Zahlen wohl nicht so deutlich. Meckermann weiss auch, dass das Gemichelgemeuchelgemischel mit zur Strategie gehört. Aber wir wollten diese Leutchen ja, wir dummen Michels.

Das ist die Schweiz – das war Meckermanns Rede zum 1. August. Ausnahmsweise nicht als Ghostwriter für einen der Räte geschrieben.

Also bitte weiter so friedlich, bis dann das Feuerwerk anfängt. Bumbum. Bum.

 
 
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