| Krankheitsblog |
Dann vom PC mit seinen wunderbar komplizierten Programmen, den speicherfressenden grafischen Interfaces, von Messen, die als Party begannen und als Party endeten, vom Internet-Hype und von vielen, lieben Menschen, die Meckermann in dieser Szene antreffen durfte. Auch von einigen weniger lieben Gesellen und Gesellinnen der Zunft, die sich da stolz als elektronische Datenverarbeitung anpries und dabei schon wieder das Messer wetzte, denn Datenverarbeitung hat etwas mit Schlachthof zu tun, so wie die Fleischverarbeitung mit Wurstfabrikation. Meckermann schaut mit Wehmut auf diese Zeiten zurück – und kehrt mit diesem Bericht zurück zu den Wurzeln. |
Denn zwischendurch war Politik angesagt, einige Jahre lang, Don Quijote gegen Chrigel, den blochenden König der SVP, Rosinante gegen die Dreschflegel des rechten Klüngels, der sich mittlerweile sogar schon die SP-Quevara-Tarnkappen angezogen hatte, gegen globalen WEF-Wahnsinn. Meckermann verstand sich nicht als Anwalt irgendeiner Sache, Idee oder Ideologie, er schrieb einzig als sein eigener Anwalt seine eigenen Plädoyers. Einer der vielen guten Freunde, der sich wie viele andere gute Freunde inzwischen auf Distanz begeben hat, fand Meckermanns Kommentare „aus dem Ruder geglitten“, ein anderer der Gut-Freund-Amigo-forever-Gilde, ähnlich zu setzen mit den Zürcher Altherrenzünften, wo ebenfalls so lange geklüngelt wird, bis einer ausscheidet, worauf die Klüngelei aufs Neue beginnen darf, schaffte es tatsächlich, Meckermanns Honorare für IT-Artikel zu unterbieten, natürlich nur wegen der Butter auf dem Brot. Meckermann isst seither nur noch Brot mit Honig, den ihm der Nachbar aus dem Bündnerland mitbringt. Diese Zeit möchte Meckermann nicht missen, auch in 20 Jahren nicht, denn sie hat geprägt wie schon die Hippiejahre, die Jahre bei den Jusos, der Schwenk dann in die Jahre des bedingungslosen Kommerzes im Marketing, die Zeiten als Robin Hood Imitat in der IT-Fachpresse der Schweiz und den deutschsprachigen Magazinen. Wie die Zeit als Meckermann. Und so ist die Rückkehr zu den Meckermannschen Wurzeln nicht weiter verwunderlich, ein jeder alte Bluesman spielt neue Lieder über seine jungen Jahre, als die Haare noch wehten, ein Wort ein Wort war und die Che-Käppi noch importiert werden mussten. Back to the roots … Los geht’s. Zuerst muss Meckermann über die Orbit meckern, lange, bevor diese begonnen hat. Denn da fand im Vorfrühling eine Art Geheimtreffen statt, die hohen Herren der Orbitleitung traf eine Gruppe des ungebührlich schreibenden Fussvolks, auch als Journalisten bekannt. Die Meinungen wurden getauscht, da die böse Journaille, dort die Besserung lobenden Orbitfürsten samt protokollierendem Gesinde. Und Meckermann kam spät in der Nacht heim und säuselte zu seiner lieben Meckerfrau, es sei ein netter Abend gewesen, man habe zwar keine Blutsbrüderschaft geschworen, aber immerhin seien die Schlachtäxte (Datenverarbeitung=Fleischverarbeitung, siehe schon weiter oben) an der Garderobe abgegeben worden. Und dass man sich Mühe geben werde, sich besser zu verstehen, und bei Problemen direkt miteinander zu reden, ohne die amtlichen Umwege über Unterpressestelle ohne Parkplatzverteilgenehmigung und ohne ein negatives Bild in der Vorberichterstattung. Das waren vage Absprachen, klar, aber der Anfang war gemacht und Meckermann dachte eigentlich, schön so, die Basler haben gelernt, dass Journalisten nicht einfach nur dumme Nachplauderer und Abschreiber sind. Und schon ging es wenige Wochen später los: Die Orbit versandte Pressemitteilungen, Meckermann erhielt diese nicht. Meckermann aber konnte lesen, bei seinen guten Freunden, dass die Orbit nochmals abgebaut hat, in Sachen Aussteller, da hat der Fotoflohmarkt in Zürich schon bald mehr Stände. Seltsam, dachte Meckermann, warum ist da nicht auch so ein Brieflein oder ein E-Mail im Meckerhaus eingegangen? Und Meckermann schrieb mal ein erstes E-Mail an die Orbit-Leitung, was denn los sei, er habe nichts mehr gehört seit dem Gipfeltreffen im Vorfrühling, und müsse jetzt bei den Kollegen lesen. Aber da war wohl gerade der Mailserver der Orbit down, es kam nie eine Antwort auf das Mail. Und auch sonst blieb die Kommunikationsstelle still wie Mineralwasser ohne Kohlensäure, doch heute, ja heute kam die Mitteilung, dass sich die Crew umformatiert habe und jetzt wirklich mit professionellen Ansprechpartnern gerechnet werden darf. Meckermann freut sich darüber, das ist doch ein Ansatz, da kann man doch drauf bauen, da sollte man sich die Hände reichen und endlich die Friedenspfeife rauchen – aber das geht ja nicht, Meckermann raucht nicht mehr, nicht mal Friedenspfeifen. Am Abend liest Meckermann, dass es möglich sein könnte, dass doch noch um die 200 Aussteller an der Orbit zu erwarten seien. Das stand nicht in einer Mitteilung der Pressestelle, sondern in einem Newsdienst. Ob 160 oder 200, da haben die Basler recht, wenn sie deswegen nicht extra eine Pressemitteilung schreiben, denn das sind Peanuts. Ein Fünftel mehr Aussteller als noch vor sechs Wochen erwartet, das interessiert doch niemanden. Dabei wäre das doch endlich was Positives gewesen, Frau Derungs, das hätte doch die Presse beschwichtigt, da hätten doch alle erkannt, die tun was, die Basler, die geben nicht einfach auf, die ackern nochmals auf dem Leichenfeld der Branche, die verkaufen Standflächen zum Preis von Firmengräbern, mit Rabatt, für jene, die gleich für die Jahre 2004 bis Ende Orbit abschliessen. Das sind dann die Firmengräber in Standform samt Mausoleum. Einmal jährlich kommt der Standdekorateur, hängt neue Fahnen auf, stellt die Plastikpinguine an den Stand und lässt DJ Bobo durch die sonst leeren Hallen dröhnen. Die Festwirtschaft hinten, die schon immer für die scheusslichsten Schnitzel zuständig war, die Meckermann weltweit an IT-Messen essen musste, wird von der Messeleitung selbst betrieben. Da freut sich Meckermann, das sind noch Souvenirs an Zeiten, da alles fesch und frisch und jung war. Die Orbit als Firmengrab, da könnte man noch Bull und Univac, AST und Zenith, KHK, Ozalid, Data General, Olivetti, Micrografx und so vielen anderen ein Denkmal setzen und Meckermann würde sich melden als Kurator. Zukunftsträchtig wäre dieser Firmenfriedhof für die Langzeit bis zum Aufschwung natürlich auch. Die Messe Basel würde weiterhin eine Existenzberechtigung haben, Friedhofsgärtner bekämen jeweils im Spätsommer Auftrieb, Apple würde sich in Riehen zur ewigen Ruhe setzen wie HP auch, da dort die Liegeplätze billiger sind. Warum Meckermann auf solch absurde Gedanken kommt? Da fand doch neulich ein Schreiberling in einem angesehenen Magazin, die Fachpresse brauche die Orbit um zu überleben. Stimmt. Viel Interessanteres hat die IT-Branche in der Schweiz nämlich nicht zu bieten. Ja, und noch was. Meckermann regt offiziell an, dass in einer Halle, möglichst zwischen IBM und Microsoft, oder zwischen Canon und Xerox, eine Urnenwand gebaut wird. Für den unbekannten Journalisten. Meckermann würde sofort einen Platz im vierten Geschoss reservieren. Und so auf die alten lieben IT-Menschen runter blicken, nachts, wenn die IT-Gespenster den Byte-Tango tanzen, mit einem IT-Redaktor die Urnengrab-Bar leeren, Infrarotaufnahmen machen für die Storage-Kisten. Muss das herrlich sein in diesem Herbst, wenn die ersten Gräber angemietet werden … |
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