| Meckermann (August 2003) | |||
| Meckermann 1.8.2003 | |||
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Bild: CD-Entsorgung Skulptur von Meckerfrau, jederzeit erweiterbar, modular nach Wünschen der Musikindustrie zu ergänzen |
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Die Plattenindustrie hat dem Vernehmen nach dreistellige Millionendollarverluste gemacht, weil CDs zu oft kopiert oder als MP3-File aus dem Web geladen wurden. Tantiemenlos. Das geht nicht an, sagt die Industrie und legt nun bald auf jede CD einen Kopierschutz. Was gleichbedeutend ist, dass Meckermann diese CDs nicht über seine 5:1-Soundanlage mit der extra teuren Soundkarte und dem superschnellen CD-Drive abspielen kann. Und auch nicht im ultraflachen DVD-Player, den er von seinem PC-Händler als teures optionales Zubehör angedreht bekommen hat. Nun fragt sich Meckermann, für was er also die 5:1-Soundanlage, die teure Soundkarte und den Player überhaupt gekauft haben könnte – sieht zwar gut aus, so ein Büro voller Lautsprecher, mit Subwoofer und so, ist aber in Wirklichkeit gerade mal gleich viel wert wie ein Staubfänger. Das Vorgehen der Musikbosse kommt Meckermann bekannt vor: In Zeiten des legendären Commodore 64 gab es hunderte von Programmen, die kopiergeschützt für ein Sündengeld über den Ladentisch gegangen sind. Und ein paar Wochen später las dann Meckermann in der Fundgrube, dass eine Kopie von dieser Buchhaltung, jener Textverarbeitung, diesem Spiel oder jenem Homevokabulartrainer bei diesem oder jenem Postfach für fünf Franken plus Porto erhältlich sei. Das waren die damaligen Raubkopien, gegen die es noch kein greifbares Gesetz gegeben hatte. Und hinter dem Postfach steckten meist findige Jungs und Mädels, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, jeden noch so raffinierten Kopierschutz zu knacken. Denksport nannte sich das damals, heute heisst es knacken oder hacken oder so ähnlich. Das gleiche Desaster steht nun der Musikindustrie bevor. Zu jedem neuen Code, der auf eine CD gepresst wird und erkennt, ob es sich um eine Hifi-Anlage im herkömmlichen Sinne, um ein Laufwerk im PC handelt, oder um andere Schutzmechanismen, die teuer programmiert und immer wieder geändert werden müssen, findet sich wenige Tage später im Internet ein Decodierungsprogramm: Der Code ist geknackt, es kann weiter kopiert werden. Es ist schön, wie sich die Geschichten wiederholen: Jetzt findet man diese CD-Kopien nicht mehr in der Fundgrube, sondern im Internet. Die CD zu fünf Franken oder Euro plus Porto. Das wäre dann aber ohne CD-Booklet und CD-Cover. Beides zusammen kostet weitere fünf Franken oder Euro und wird gegen Vorauszahlung mit der CD mitgeliefert. Das Geschäft scheint zu laufen … Rechtlich gesehen darf jedermann, der seine Software erworben hat, davon eine Sicherungskopie anlegen. Ob er diese auf eine CD brennt, auf eine andere Festplatte spielt, oder einem externen Datenträger unterjubelt, interessiert niemanden. So also die Musikindustrie mit ehemaligen Methoden aus der Softwarebranche beginnt, sind die Folgen unabsehbar. Wer kauft noch eine CD, wenn er diese nicht auf jedem ihm zur Verfügung stehenden Gerät abspielen kann? Wer kauft eine CD, wenn er aus den einzelnen Liedern für sich MP3-Files anlegen will, die dann auf dem eigenen MP3-Player abgespielt werden können? Wer kauft eine CD, die er nicht in seinen Laptop legen kann, um auch im Zug ein bisschen Musik bei der Arbeit zu geniessen? Meckermann versteht die Leute, die sich mit kopierter Musik aus dem Internet eindecken – garantiert auf allen Geräten abspielbar, auch als MP3 erhältlich. Deshalb glaubt er, dass sich die Musikindustrie mit dem Kopierschutz selbst ins Abseits stellt: Wenn Meckermann einen Apfel kauft, dann isst er den, wo er will, wie er will, wann er will und mit Besteck oder ohne, so er will. Wenn Meckermann eine CD kauft, geht das alles nur sehr beschränkt oder gar nicht. Er kann einzig den Ort des Abspielens festlegen, nämlich dort, wo das passende Gerät steht. Und das „wann“ bleibt ihm selbst überlassen, so er das passende Gerät lokalisiert hat. Das „Wie“ und die Frage nach dem Besteck sind beim CD-Kauf ausgeschlossen. Meckermann versteht die Leute, die sich keine CD mehr kaufen, die einen Kopierschutz haben. Denn früher hatte die Industrie auch nichts dagegen, dass er seine Rolling Stones von Vinyl auf Kassetten überspielt hat, eine für sich ins Büro, eine für Meckerfrau, eine fürs Auto und eine für seinen Freund zum persönlichen Gebrauch. Warum soll das nun nicht mehr möglich sein? Und da es eh keine Kassetten mehr gibt, weicht mensch halt auf die CD aus. Ist doch eigentlich nur logisch, dass die Meckerfamilie gerne ihren derzeitigenen Favoriten auch im Auto hören möchte, und Meckerfrau auf ihrem Mac, und Meckermanns Freund auf der Alp beim Sonnenuntergang zum Eigengebrauch und seine Tochter im portablen CD Player. Sobald das wieder geht, wird auch die Meckerfamilie wieder die CD-Sammlung vervollständigen, mit all den Platten, die sie bisher nicht gekauft hat, eben, weil sie auf einen solchen Kopierschutz verzichten kann. Und wenn das halt nicht möglich ist, dann zahlen die Meckerer fünf oder zehn Franken oder Euro und erhalten eine CD aus dem Internet, die sie erstens günstiger bekommt, denn im Laden und zweitens immer und überall verwenden kann, wo es einen CD-Player, egal welcher Art, zur Verfügung hat. Was das alles mit IT zu tun hat? Nun, warum haben denn die meisten PC CD-Drives, warum gibt es den Mediaplayer von Windows, die Tools von Apple, warum kommen Flatscrens mit Lautsprechern und schnelle Rechner mit sechs Lautsprechern auf den Markt? Nur zur Verzierung des Angebotes? Oder zum Lauschen des Internetradios? |
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