Meckermann (September/Oktober 2003)
 
Meckermann 1. Oktober 2003
 
Abriss auf Raten

Irgendwann in den nächsten Monaten dürfte es soweit sein: Meckermann wird seinen lieben alten Mac entsorgen müssen, da es für den Rechner kein OS X gibt, respektive, weil der Rechner nicht für OS X tauglich ist. Und da keines dieser ewigen Flickwerke von Apple, die sich Betriebssystem nennen und jetzt auch als Panther gehandelt werden, mit älterer Software so richtig arbeiten will, neue Software aber eben nur noch OS X verlangt, kommt es zum Zwangsupdate auf ganzer Linie.

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Photo: Meckerfrau


Festgestellt hat Meckermann diesen Abriss auf Raten in den letzten Wochen. Da wollte er sich einen Acrobat von Adobe für seinen Mac mit OS 9.2 bestellen. „Das geht nicht“, sagte ihm sein Lieblingshändler in Oensingen, „die neuen Acrobat arbeiten nur noch mit OS X zusammen“. Gebrauchte Akrobaten, da hatte Meckermann keinen Bock drauf, schon wegen der Raubkopierpolizei und wegen der Gefahr, dass er da ganz was anderes übers Internet erhält denn bestellt. Also nichts mit PDF, lesen geht zwar mit dem Reader noch einigermassen, aber selbst ein PDF erstellen geht mit dem neuen Acrobat auf dem alten Mac leider nicht. Die Liste wäre lang, es trifft alle Hersteller, Mac OS X wird zum temporärer Standard und alle Softwarefirmen haben die grösste Freude, sich da sofort anzuhängen und ebenfalls wie der Blitz Programmversionen auf den Markt zu werfen, die einzig und alleine System 10 kompatibel sind.

In Meckermanns Budgetkasse für die nötigen Anschaffungen im IT-Bereich klafft ein Loch, seit er sich den neuen Quark besorgt hat, jetzt nochmals alles umrüsten, zwei bis vier Tage installieren, testen, die ganze Programmbibliothek entsorgen und so weit als nötig neu beschaffen, dazu auch noch einen G5, schnell, flink und leise, aber sehr teuer, das sind so rein überschlagsmässig nach Steven Jobs Profitrechnung gut und gerne 25'000 hart verdiente Franken, ganz abgesehen davon, dass da noch die Peripheriegeräte dazu kommen, die bisher unter SCSI liefen, was der G5 scheinbar nicht mehr bietet, also externe Wechselplatten von Iomega mit OS 10 Unterstützung, neue Scanner, neue Drucker, neue Tastatur und neue Maus von Logitech, alles entweder per USB oder Firewire, nochmals 10'000 Franken.

Meckermanns Erbtante ist schon lange verstorben, Meckerfrau meint, für dieses Geld könnte die ganze Meckerfamilie locker ein Jahr Ferien in einem ehemaligen Ostblockland samt Suite in einem Viersternhotel machen, wenn man nicht gerade ein neues Apple Notebook mitnehmen will und Meckermanns Lieblingsdealer in Oensingens chüttelt bedauernd den Kopf: „Da kann ich nichts machen, das ist halt eben so.“ So, so, das ist so. Und wenn nun einfach alle Apple-Benutzer, die noch mit ältereren Göppeln zufrieden sind und nicht auf das Monster OS X umsteigen wollen, einfach streiken, dann bleibt das trotzdem so – Apple schreibt Gewinne, die zuliefernden Softwarefirmen ebenfalls und auch die Peripherie-Industrie hat ihre helle Freude daran – endlich kaufen die Leute nicht erst nach sechs Jahren, sondern alle zwei Jahre neue Drucker, neue Scanner, nweue Wechselplatten und den Rest kippen sie auf den Entsorgungs-Sondermüll, der vor jedem Laden der Unterhaltungsbranche als Container aufgestellt worden ist mit der Aufschrift. „Nur für Elektroschrott.“

Nun gibt es im Meckerdorf keine Computerhändler, keine Elektrofachgeschäfte mehr und schon gar keine Entsorgungsstellen für diesen Computerabfall. Folglich müsste Meckermann, immer noch nicht autofahrend, einen Bekannten bemühen, der ihm beim Abtransport eines Kasten voller Software und des Rechners hilft, denn ein Angebot bei E-Bay oder „Alles Gratis“ gehört zu den Illusionen ebenso wie der Versuch, eine vor zehn Jahren erstandene und hochgelobte EOS von Canon zu verkaufen – bei E-Bay sind bereits 16 Angebote zu finden, ab 18 Euro, das Ding hat damals 699 Franken ohne Objektiv gekostet, also auch auf den Schrott damit. Früher sprachen die Hersteller noch von Investitionsschutz, jetzt verlangen sie wohlwissend vorgezogene Entsorgungsgebühr.

Da hat Apple kräftig bei Microsoft gelernt. Neue Betriebssysteme brauchen neue Software, um optimal eingesetzt werden zu können. Und sollte uns nächstes Jahr der erwartete XP-Nachfolger beglücken, könnte es ja auch möglich sein, dass Meckermann auch hier wieder alles neu kaufen muss, vom Office bis zum Xpress, vom Illustrator bis zum Photoshop. Und wenn Meckermann Pech hat, auch gleich noch eine neue Kiste, da vielleicht der XP-Nachfolger erst ab P4 mit 2.8 Taktrate läuft. Nobody knows.
 
 
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