| Meckermann November 2003 | |||
| Meckermann 1. November 2003 | |||
Irrläufe im Krankenhaus-Computer |
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Meckerfrau sagt da halt lakonisch: „Je dümmer das Personal, desto dümmer der Rechner." Das würde bedeuten, dass in den buchhalterischen Abteilungen des Spitalverbandes Oberaargau (SRO) eigentlich nur unterbeleuchtete Angestellte arbeiten, was am Sparwillen bei der Beleuchtung liegen könnte. Aber der Computer kann nicht daran schuld sein. Jedenfalls denkt Meckermann, auf dem Weg zur Genesung und vor Rückfällen gewarnt, dass es in der Verwaltung beim SRO zugehen muss wie in einem Irrenhaus. Das wäre weiter nicht schlimm, so lange das nicht die Kranken betrifft. Aber eben, die werden zur Kasse gebeten, und auf drei Spitalrechnungen kann man eine als völlig falsch bezeichnen. Das hat nichts mit dem Computer zu tun, so die Meckerfrau. Könnte fast stimmen …
Also, Meckermann kam im Juni aus dem Krankenhaus und war die ersten Tage im Juni sichtlich geblendet ob der freien Wildbahn, die sich auftat nach dem Aufenthalt zwischen Matronen, Madonnen, Amazonen, Pomeranzen, Gefängniswärterinnen und anderem Betreuungspersonal, das sich da diplomiert oder nicht diplomiert oder als anders diplomierte Krankenschwestern– und -pflegerinnen bezeichnete. Und kaum war Meckermann aus diesem Hygienehaus draussen, kamen die ersten Rechnungen. Darunter eine, im Doppel, mit vorperforiertem Einzahlungsschein, über genau 55 Rappen. 30 Tage Zahlungsfrist. Potz, dachte Meckermann, die nehmen das aber haargenau. Am gleichen Tag im gleichen Postfach eine zweite SRO-Rechnung. Über 930 und ein paar zerquetschte Franken. Happig, dachte sich Meckermann, und las dann, dass er da scheinbar ambulant in Langenthal behandelt worden sei, während doch schon die Rechnung aus dem zweiten Verbandsspital vorlag, die da den Tagessatz und jedes Blutdruckmessen in bester Hotelmanier aufgeführt hatte. Und Meckermann begann zu zweifeln – war er am gleichen Tag und tags darauf wirklich zur gleichen Zeit in zwei Spitälern? Halb hier, halb dort? Oder – Blick in den Spiegel – war Meckermanns Bewusstsein gespalten? Oder konnte er gar in einen zweiten Körper schlüpfen? Fragen über Fragen und erst ein Telefonat mit einer Dame beim SRO brachte Klarheit. Das sei ein dummer Fehler, Meckermann möge die Rechnung an die Buchhaltung senden, die Dame am Telefon werde die Dame in der Buchhaltung orientieren. Sorry about.
Meckermann schrieb einen Brief, gab ihn per A-Post auf und hakte den Fall ab, nicht zuletzt, um den Krankenkassen nicht ein weiteres Argument zu liefern, noch ein Prozent aufzuschlagen. Das ging dann etwa vier Wochen gut, dann kam eine Mahnung über diese 930 Franken und die paar Zerquetschten. Meckermann kopierte das Schreiben, mit dem er die erste Rechnung auf Anweisung der Dame aus dem SRO verschickt hatte, schrieb nochmals einen ziemlich klaren Brief und schickte die Mahnung zurück. Denn Mahnungen hasst Meckermann. Und zwar mächtig. Was dann ein paar Anrufe nach sich zog und bis zum Chef Finanzen und dem oberen Kader weiter gereicht wurde, bis dann Meckermann zuerst per Telefon und dann auch schriftlich bestätigt wurde, dass er kein Doppelleben führe, kaum in beiden Spitälern zur gleichen Zeit behandelt worden sein könnte und dass die Rechnung entsorgt werden darf, man entschuldige sich. Danke, lieber SRO.
Doch da geht es schon weiter. Im Eifer des Rechnungs- und Mahnungsausstosses des Computers im Finanzbüro des SRO, Meckermann dachte schon, der Drucker habe einen Orgasmus der digitalen Art, kam kurz nach einer bezahlten Rechnung schon eine Mahnung, und da Meckermann ein sehr freudiger Schnellzahler ist, zahlte er auch die Mahnung und kontrollierte diese erst später mit der Rechnung. Doppelt bezahlt. Anruf beim SRO, Abteilung Finanzen. Wie denn das sei mit der Rückvergütung der 240 Franken. Die haben das dann sogar gemerkt, dass die Rechnung doppelt bezahlt worden ist. Und haben sofort die Rückzahlung versprochen.
Aber eben, was man nicht schriftlich hat. Meckermann hatte auch drei Wochen danach keine Rückzahlung bekommen und was folgte? Ein neuer Anruf. Doch, sagte die Dame in der vorgeschalteten Abteilung zum Mahnwesen und Rückerstattungsbüro, sie sehe das auf dem Computer, der Betrag sei überwiesen worden, auf das Konto bei der UBS. Meckermann wurde schon wieder halb krank. UBS? Meckermann hatte dort noch nie ein Konto. Warum also UBS? Meckermann ist bei der CS. Das wusste die Dame auch nicht und sie wollte um 15 vor zwölf Uhr mittags mit dem Finanzbüro verbinden. Doch dort war niemand mehr, alle schon im Mittag und der Chef nicht zu erreichen. Meckermann lag schon wieder halb flach, Meckerfrau massierte sein Herz und knetete die bereits erkalteten Füsse, da sagte die Dame vom SRO noch, Meckermann könne ja am Nachmittag probieren. Oder man werde ihm zurückrufen. Wann? Das wusste die Dame nicht, denn sie hat ja den Speiseplan, den Pausenplan, den WC-Plan und den Raucherplan der gesamten Buchhaltung des SRO nicht vor sich.
Jetzt hat Meckermann die Tarifliste der Journalisten-Gewerkschaft hervor geholt und dort mal gelesen, dass die Stundensätze soundso viel betragen und die Spesen separat verrechnet werden dürfen. Also runde drei Stunden Geschwafel, zwei eingeschriebene Briefe, Telefonkosten, Arbeitszeit für die Briefe an die Finanzleute beim SRO, Anteil Amortisation Infrastruktur. Am besten per Nachnahme an das SRO senden. Oder der Krankenkasse melden? An einer nächsten Rechnung abziehen? Meckerfrau meint, das soll Meckermann nicht machen. Vielleicht sei halt eben doch der Computer schuld, der irgendwann einmal so dumm programmiert worden ist. Und vielleicht wüssten die Damen im SRO, Abteilung Finanzen, gar nicht, was der Rechner da ausspuckt und warum. Vielleicht sei das alles schon so automatisiert, dass die Damen beim SRO, Abteilung Finanzen, eigentlich nur noch anwesend sind, damit sich die Computer nicht alleine fühlen. Könnte ja sein, dass solch weibliche Überlegungen richtig sind. In den USA würde Meckermann jetzt auf zehn Millionen klagen, wegen Belästigung durch nicht zulässige Mahnungen und Verzug der Rückzahlung einer falsch angemahnten und doppelt bezahlten Rechnung. Das geht hier in der Schweiz aber nicht. Also bleibt wohl bloss, dass der Vorfall als offener Brief auch an den Hausarzt, die Krankenkasse, die SRO-Direktion und vielleicht an ein Lokalblatt geht. Mach das nicht, sagt Meckerfrau. |
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