| Meckermann Dezember 2003 | |||
| Meckermann 1. Januar 2004 | |||
Gummipuppe für alle ... |
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Der Aufruf, die Fahnen auf Halbmast zu setzen, war ebenso schwach wie die Frauendemo heute in Bern, die erst gegen gestern Abend irgendwo im Internet zu finden war. Nichts bei den SP-Frauen, nichts bei Comedia, nichts auf der "Nicht-wälhbar"-Site.
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Dabei wäre das doch endlich Gleichberechtigung. Blocherpuppen für jede Hausfrau am Kiosk, im Konsum und auch im Migros. Diverse Grössen. Vom Luftballon bis hin zum 98 Kilo Strohmann, der früher als als Vogelscheuche galt, vom kleinen Gute-Nacht-Püppchen bis zum Kaliber für den weiblichen Sexshop, der auf dem Lande immer noch als Laden für jedermann, als Tante Emma Denner also, bekannt ist. Was dem Mann seine rucksackegerechte Barbie im Kreditkartenformat, plus Einsatzventil, sein kann, darf doch auch als Chrigel für die Frau von gestern angeboten werden. Könnte man doch ein Geschäft damit machen. endlich einen flotten Dreier, die Frau, die Puppe, Du selbst. Ist doch schon besser als nur Du mit der Puppe. So bringt Chrigel wieder Leben in Alltag und Allnacht. Und was früher in der Ostschweiz als "Meitschibei" verkauft worden ist, wurde durch den Konditoren- und Confiserieverband, Region Blocherland und darüber hinaus, E.V. mit Zunftmeisterdekret und sogar per Email ohne Verschlüsselung allen Mitgliedern als "Appenzeller-Merzen" ganz ohne Zwang ans Herz gelegt, man würde die Mitglieder dann auch mit entsprechenden POS-Material beliefern, also etwa mit aufblasbaren Puppen. Ein Bild als Anhang machte sich versprechend: Blochers Haxen und dazu ein Slogan. In allen drei Landessprachen, denn Blocher kann kein Rumantsch. "Meitschibei" durchgestrichen, Appenzeller-Merzen in gelber Blockschrift auf dunkelbraunem Hintergrund als absoluter Knaller. Besser könnte kein Blick-Plakat aussehen. Also, Meckermann hat das alles gesehen und sich dann mit Kritiker besprochen und hat den Motzer angerufen und der Kritikerfrau auch und auch die Meckerfrau beim Kaffee um Ansichten gebeten. Und die Motzerfrau per Email. Einfach so, nur zu wissen, ob diese Namen schon geschützt sind. Den "Appenzeller Merzen" haben die Frauen meist schon gesehen, die eine meint, das sei so etwas wie Bienenstich, aber auf Appenzöllsch, die andere glaubt, es seien Kojaks farige Zuckerkugeln im Duo-Lolly-Look, und die dritte Frau im Bunde meinte, das sei eher bayrisch, "Im Märzen der Bauer..." . Motzer und Krtiker kannten sich im Süsswarenbusiness nicht so besonders aus, wussten aber sofort, was eine Gummi-Chrigeline ist: "Kriegt man heute doch an jedem Kiosk, diskret, zwischen Blick und dem Dorfblatt eingeklemmt, hermetisch versiegelt, samt Einsatzventil. Und damit haben sich alle Fragen zum Thema Weihnachtsgeschenke von selbst erledigt. Meckerfrau kriegt eine Chrigellinde, Meckermann die Meitschibei, resp. eben den Appenzeller Merzen. Und wo es gute Ideen gibt, die unsere Wirtschaft ankurbeln und die Konsumentenstimmung auf das Niveau von 1945 anheben, gibt es natürlich auch die ewigen Nachahmer. Weil man dem Blocher nichts Positives abgewinnen kann, haben ein paar Leutchen statt der lieblichen Püppchen mit dem Einsatzventil in allen gewünschten Grössen halt Schals machen lassen, mit einer Anti-Blocher Parole drauf. Damit jeder beim Cüpli zeigen kann: "Ich bin auch dagegen." 44 Stutz, ein roter Schal, ein paar weisse Buchstaben. Meckerfrau sieht es gelassen und will das in Heimarbeit machen, das spart auch noch die Versandkostenpauschale. Auch wenn sich Meckermann solch einen Schal nie anziehen würde im Dorf. Hier gilt der Spruch noch von den Kälbern, die sich den Metzger selber suchen. Die beiden neuen Bundesräte sind noch nicht im Amt, aber es gab schon Souvenirs, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Der Dorfbäcker garantierte den Versand von Appenzeller-Merzen nach Nigeria auf den Tag genau, bei den Blocherpuppen in der Grösse Medium gab es allerdings Lieferschwierigkeiten, da die Einsatzventile nicht just-in-time fertig waren. Aber Meckermann könne sich ja eine Puppe vorbestellen, bis zum Dreikönigstag sei die dann sicher da, und wenn er möchte, kriegt er einen Geschenkgutchein für so eine Blocherpuppe, Medium, mit Einsatzventil. Sechs Stunden später zogen die gesammelten Dorf-, Stadt-, Kantons- und Bundespolizisten samt allen freiwlligen Feuerwehren, Sanitätern und Sektenspezialisten über alle Läden, vom Coiffeur über die Käserei bis in den Supermarkt, draussen vor den Toren der Stadt, und beschlagnahmten alle aufblasbaren Puppen. Auch hin und wieder jene, die gar nicht nach Blocher aussahen. Wo nicht EMS draufsteht, handelt es sich um klare Fälschungen aus Taiwan. So die offizielle Begründung für die grösste gesamtschweizerisch koordinierte Razzia in KMU und auch grösseren Unternehmen. So ganz nach dem Motto. "Blocher raus. Wobei es nur um die Puppen ging. Dem Appenzeller-Merzen hingegen ging es nicht ans Sitzleder, er wurde zwar hergestellt, aber niemand wollte so etwas essen. Da war dann schnell wieder der Name "Meitschibei" eingeführt. Und selbst Meckermanns Schwager freut sich, wenn er wieder in die Schweiz kommt, um seine Euros gegen französischen Käse, schweizerische Schokolade und deutschen Kaffeesäcke von Eduscho einzutauschen. "Ist doch alles viel billiger als bei uns in Mannem." Der Schwager kauft auch immer seine Meitschibei, im Dutzend. am liebsten jene, die eine rotes Strumpfbändchen tragen, auf dem steht, dass darunter eben die Meitschibei seien, nach Originalrezept und so. Meckermann stellt sich einfach so vor, dass sein Schwager plötzlich ein Dutzend Appenzeller-Merzen hätte einkaufen müssen, so zum mitnehmen nach Mannem, und dann wären da keine roten Strumpfbänder, sondern schwarze Lederschnüre drum gewickelt gewesen. Die hätte der Schwager schon gar nicht erst in Deutschland einführen dürfen. Rein aus politischen Gründen. Der mögliche sexistische Aspekt, einen Appenzeller-Merzen mit einem echten Meitschibei zu verwechseln, wäre wohl eher unwahrscheinlich. Und da Meckermanns Schwager sein Dutzend Meitschibeine immer um den Januar für seine Kunden braucht, ist ja die Welt wieder in Ordnung. Es gibt irgendwo auf dem Schwarzmarkt noch ein paar garantiert ungenutzte Chrigel-Barbies zu durchaus sinngemässen Wucherpreisen. Und ein Landwirt aus dem Thurgau preist seine garantiert selbstgefrorenem Appenzeller-Merzen zum Auftaupreis von 48 Franken pro Kilo, zusätzlich Verpackung und Tiefkühlboxdepot plus die Versandkosten per Kurier im Internet auf den Schnäppchenseiten an. Das Leben geht weiter. Der 10.12.03 wird keine Geschichte machen wie alle anderen Daten, die erst viel später als Greuelgeschichten publik wurden. |
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