Meckermann Januar 2004

 
Meckermann 1. Januar 2004
 
Viele Vorsätze gefasst ...
 
Alle Jahre wieder: Meckermann und Meckerfrau fassen an Sylvester mit dem Rimuss in der Hand im Wintergarten die besten Vorsätze, unumstösslich und garantiert ohne Ablaufdatum.

Photo: Meckerfrau
  107885/meckermann_januar04.jpg
 
So auch für 2004. Und alle Jahre wieder zieht die Meckerfamilie nach zwei Wochen Bilanz und stellt fest, dass die gefassten Vorsätze so schnell dahin schmelzen wie der Schnee, der eben erst gefallen ist und jetzt schon wieder Wasserpfützen bildet. Aber dieses Jahr wird alles anders ...

So hat sich Meckermann fest vorgenommen, der schweizerischen Tochter von Apple dieses Jahr nicht an den Karren zu fahren. Nicht einmal mit einer kleinen ironischen Zwischenbemerkung an die Pressestelle, die da zwar dem Journalisten 50 Prozent auf Hardware anbietet, dann aber wochenlang keine Antwort auf die Frage, ob Programme, die unter OS 9.2x bestens laufen, auch unter Mac OS X funktionsfähig sind, geben kann. Scheinbar weiss das die Pressestelle bei Apple in Zürich einfach auch nicht, oder, was Meckermann eher weniger annimmt, die Pressestelle ist derart überlastet, dass solche Anfragen irgendwo auf der Festplatte verschwinden. Das also ist so ein Vorsatz für das Jahr 2004: Apple nicht mehr an den Karren fahren.

Tunlichst vermeiden will Meckermann künftig auch jede Kritik an der Preispolitik von Adobe und Quark. Das soll in Zukunft die Kritikergemeinde besorgen, Meckermann möchte sich da die Finger nicht wund tippen müssen und immer wieder predigen, dass beide Hersteller zwar Spitzenprodukte auf den Markt bringen, diese aber viel zu teuer verkaufen. Für ein Quark XPress gibt es bereits zwei vollständig ausgerüstete Personal Computer bei Dell samt Multimediafeatures und Flatscreen. Und da liegt sogar noch ein Drucker drin samt einigen Ersatzpatronen für die nächsten Jahre.

Nein, dieses Jahr wollen die Meckerer wirklich hart bleiben und die guten Vorsätze wenigstens bis zu Ostern mit sich rum schleppen. So hat sich Meckermann vorgenommen, in diesem Jahr speziell oft den Garten zu jäten. damit die Nachbarschaft Lügen gestraft wird, die da im Jahre 2003 nach Christus von einem Urwald sprach und von einem Schandfleck im englisch getrimmten und versailles-ähnlichen Wohn-Quartier überhalb der Aare. Meckerfrau hat diesen Vorsatz dann gleich wörtlich genommen und im Do-it-yourself-Shop eine komplette, nigelnagelneue Gartenausrüstung gekauft, samt Gartenhandschuhen und Öljacke, falls es mal bei der Arbeit im Steingarten regnen würde. Und Meckermann hat sich ein spezielles Zeichenprogramm auf dem PC installiert, um den Garten neu zu planen und gleichzeitig auch die Pflanz- und Erntezeiten zu berechnen. Und weil so ein Wildgarten, der zu einem „Rasen nicht betreten-Park“ umfunktioniert werden soll, seine eigenen Tücken hat, kaufte sich Meckermann auch noch Steigeisen für die Gummistiefel, damit er nicht rutscht in der selbst gewollten Wildnis, die gebändigt werden muss. Soll einer sagen, dass gute Vorsätze für die Katz sind.

Doch damit nicht genug. Ein anderer Vorsatz - die Meckerer haben dieses Jahr gleich vorsatzmässig zugeschlagen – betrifft die Nahrungsmittelaufnahme. Da Bündnerfleisch (siehe auch: http://blog.kritiker.ch/stories/236/) nicht mehr im Budget einer normal verdienenden Familie liegt, haben die Meckerer nun beschlossen, endlich einmal etwas für die gute alte Cervelat zu tun und ein spezielles Kochbuch zu verfassen. Arbeitstitel. „Die tausend Arten, eine Cervelat zu geniessen.“ Meckerfrau hat bereits die ersten 30 Kapitel als Rohmaterial handschriftlich notiert, Meckermann hat die Gerichte dann auch fotografiert und die Bilder auf der Festplatte abgelegt. Soll ja niemand die Nase rümpfen, denn es gibt viel mehr als das „Waldfest“ oder die „Grillcervelat“ oder den Cervelatsalat mit Käse oder ohne oder mit Garnitur. Es gibt viel, viel mehr. Und es kommt auch darauf an, wo die Cervelat gekauft wird, dazu bastelt Meckermann nun an einem ersten Anhang, Arbeitstitel. „Cervelat frisch oder gefroren“. Denn die Meckerer haben festgestellt, dass so eine handelsübliche Brühwurst, so nennt man unsere veredelte Cervelat in deutschen Landen, vom Denner meist versalzen angeliefert wird, beim Coop meist irgendwie nach Sulfaten riecht, speziell, wenn sie gebraten als Stückchen den Reisring ziert, und dass der Arbeiterschmaus einfach nur dann gut ist, wenn er direkt vom Dorfmetzger kommt, da sind auch die Knorpel und die anders nicht verwertbaren Fleischreste sauber gemahlen und zu einer Wurst zusammengepresst. Gut, solche gehobene Cervelatqualität hat ihren Preis, zwei Cervelats (Tagesration bei den Meckerern pro Person) kosten bei Johann, so heisst der Metzger im Dorf, den Meckermann noch aus den glorreichen Zeiten kennt, als die Aare noch Forellen mit sich führte, und Johann die Fischer immer wieder mal mit einem Imbiss versorgte und dann die Forellen kaufte, die da geangelt worden sind, etwa gleichviel wie ein Multipack von Denner mit zehn Würsten drin. Dafür lassen sich die Johannschen Cervelats auch ohne „Rennie“ und andere Säurehemmer essen und der Blutdruck bleibt unten auf relativ stabilem Niveau, was von der Denner-Cervelat nicht behauptet werden kann. Das sind so Feinheiten im Umgang mit der Arbeiterwurst.

Also, Vorbestellungen für das Buch werden gerne entgegen genommen. Meckermann will das Buch in Deutschland drucken lassen, nach dem Prinzip „Print on demand“. So die ersten 200 Bestellungen vorliegen, geht das Manus in Druck. Bereits haben einige Arbeitslosenämter Interesse angemeldet, sie möchten da eine genaue Preisstaffelung und natürlich auch noch Rabatt bei der Abnahme von mehr als 100 Exemplaren. Denn auch diese Ämter sind bemüht, die ohnehin schmalen Arbeitslosengelder mit Anreizen für eine sparsame Küche aufzupeppen. Bei Interesse: Das Buch soll nach Ostern erscheinen und gegen 800 Rezepte enthalten, dazu 200 Abwandlungen der bereits vorhandenen Rezepturen.

Ein anderer Vorsatz betrifft die öffentlichen Verkehrsmittel. Da die Meckerer seit dem Überfall im Kifferliesi in der Mitte des Novembers 2003 immer noch unter einem Psychoschock leiden, werden zum Frühling im Brockenhaus zwei alte Fahrräder gekauft und auf Vordermann gebracht. Dann wird in die Pedalen getreten und so dann genug Training vorhanden ist, werden die Meckerer sicher schneller in Langenthal ankommen und bereits eingekauft haben, bevor noch das Kifferliesi die Hälfte der Strecke hinter sich hat. Meckerfrau hat auch hier schon mal vorgesorgt und zwei Velohelme im Versandhaus bestellt, dazu Knieschoner, Gelenkschoner, Ellenbogenschoner, Hosenklammern, Regenschutz in Leuchtfarbe, damit die Autofahrer auch beim Einnachten erkennen, dass da jemand auf dem Velo sitzt und nicht denken, es sei ein schwarzer Geist auf einem Fahrrad mit zwei Lampen. Meckerfrau hat auch Gepäcktaschen bestellt, damit die Meckerer genügend Cervelat im Falle einer "12 nehmen -8 zahlen"-Aktion einkaufen können.

Der geneigte Leser merkt zweifellos, dass da Vorsätze streng genommen und auch umgesetzt werden. Und da SPAREN angesagt ist, wurden alle Glühbirnen, die 60 oder mehr Watt ausstrahlen, durch stromsparende 40 Watt Birnen ersetzt – das ist aktives Energiesparen, Kerzen haben die Meckerer für den Notfall noch genug, und so ein schönes Cervelatfondue bei Kerzenlicht bringt Stimmung und macht Freude, speziell, wenn es als Getränk dazu die unnachahmlichen Krüge mit Hahnenburger gibt, denen Meckerfrau noch einen kleinen Spritzer Zitronensaft und drei kleine Zitronenschalenstückchen beifügt.

Der letzte Vorsatz betrifft die geplanten Ferien für 2004. Die Reise in die Provence wurde ersatzlos gestrichen, da dies mit dem Fahrrad wohl noch zu anstrengend ist. Dafür steht eine Velotour rund um den Neuenburgersee an, nur bei gutem Wetter, samt Schlafsack und Grill. Und natürlich wollen die Meckerer bis dann bereits das Cervelatbuch im Gepäck mit führen. Strassenverkauf, bis die Polizei nach der Bewilligung fragt. Dann wieder aufs Velo und im nächsten Dorf nochmals probieren. Die Sache hat einen einzigen Nachteil. Um den Neuenburgersee isst man eher Saucissons denn Cervelats. Aber Meckerfrau ist guter Dinge: „Das ist Kulturaustausch, der ultimative Gourmetsprung über den Röschtigraben.“

Aber zuerst einmal muss das Kochbuch fertig werden. Wenn nämlich die Freunde aus Portugal behaupten, man könne Stockfisch auf 1000 verschiedene Arten zubereiten, so werden die Meckerleute den Beweis antreten, dass dies auch mit hundskommunen Cervelats möglich ist. Und falls Sie auch ein spezielles Rezept wissen, einfach einsenden. Das geht unkomplizierter denn Sie denken: Oben an diesem Artikel auf das Kürzel des Verfassers drücken, dieses Kürzel ruft automatisch einen E-Mail-Client auf und schon können Sie uns Ihr Rezept verraten. Das können Sie anonym machen oder mit Namen und Foto. Wir werden das Rezept testen – so es spezielle Cervelats aus einem speziellen Laden sind, müssten Sie uns wenigstens deren sechs zusenden, da wir nicht eine Tour de Suisse zwecks Beschaffung neuer Cervelats machen wollen. Und testen möchten wir Ihr Rezept ja schon, bevor wir es als Armeleutekochbuch verkaufen.

Einverstanden?
 
 
Ohne Pressefreiheit keine Demokratie! Zurzeit sitzen weltweit etwa 130 Journalisten wegen ihrer Meinung bzw. Ausuebung ihres Berufs im Knast! Jeder, nicht nur Journalisten, ist bei 'Reporter ohne Grenzen' willkommen!
www.reporter-ohne-grenzen.de
 
Kritik muss sein.
Täglich 10 Minuten Kritiker - Reinziehen.
www.kritiker.ch
 
 
zurück