| Meckermann (März 2002) | |||
| Meckermann 1.3.2002 (Photo Meckerfrau) | |||
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Ein gefundenes Fressen für die Presse. Da kündigte ein Unternehmen, das schon manch andere Wellen umschifft und viele Kapitäne verbraucht hatte, doch schon im Voraus den Untergang einer kleinen Flotte an. Gewissheit sei zwar noch nicht gegeben, aber man müsse mit der Schliessung rechnen und die Presse würde wieder orientiert. Schön so: Tagsdrauf stand in unseren Zeitungen zu lesen, dass die COS mit 15 Millionen Miesen wohl um die 50 Mitarbeiter entlassen werde. Meckermann hatte grösstes Verständnis: Schliesslich sorgte sich die COS ja um das Geld der Investoren, die Mitarbeiter, sollte es dann wirklich dazu kommen, haben ja ihre Arbeitslosenkasse. Eine Woche später. Frühmorgens ein COS-Fax: Man habe die Belegschaft orientiert, dass der «verlustreiche Handel mit PCs ganz massiv» reduziert werde. Die Mitarbeiter seien anlässlich einer Betriebsversammlung am 25. Februar orientiert worden. Da herrschte sicherlich Freude. Zuerst stand das schon mal eine Wochelang in allen Blättern, dann hat sich auch die Geschäftsleitung aufgerafft und die Mitmenschen im Betrieb orientiert. Und seit da stehen weitere 45 IT-Kräfte auf der Strasse. Das ist Management pur – und immerhin: Die Mitarbeiter sind ja orientiert worden, hin oder her, ob aus der Zeitung oder eine Woche später direkt vom Chef, das spielt ja keine Rolle, im Gegenteil. Wer die Zeitungen gelesen hatte, konnte bereits eine Woche vor den Kollegen eine neue Stelle suchen. Das belebt den Markt. Wer in diesem Falle spinnt, sei mal dahin gestellt. Über derartige Fehlinformationen, bewusst gestreut oder unbewusst an die Öffentlichkeit getragen, staunt Meckermann nicht mehr. Spätestens seit jenem Tage im Februar, als durchsickerte, dass die USA künftig bewusst Fehlinformationen an die Presse abzugeben gedenken. Dazu schrieben Newsdienste, dass Verteidigungsminister Rumsfeld angeordnet habe, die Pläne für das nach den Anschlägen vom 11. September gebildete (Fehlinformations-) Büro zu überprüfen. Dies, nachdem es in Medienberichten geheissen habe, das Büro könne auch Falschinformationen an Journalisten verbreiten. Desinformationen, die für den Feind im Kampf gedacht seien, dürfe man nicht mit der täglichen Information der Öffentlichkeit verwechseln, sagte dazu Rumsfeld. Also glaubt Meckermann nicht, dass die USA künftig falsch informieren werden, jedenfalls nicht die Öffentlichkeit, sondern nur die nichtöffentlichen Feinde. Doch wo sind die denn? «Eben nichtöffentlich», sagt Meckerfrau. Und damit wird das Dilemma deutlich: Nicht öffentlich wird falsch informiert, öffentlich richtig. Verstehen Sie das richtig oder falsch? Meckerfrau fühlt sich einmal mehr bestätigt. Die spinnen, die Amerikaner. Aber warum spinnen denn dann auch schon die Berliner? Die US-Botschaft ist nicht mehr per Auto zu erreichen, ein Schutzgürtel rund um die Nachbarstrassen, jeden Tag Dauerkontrolle, parkierte Polizeiautos – etwa so muss sich Arafat in seinem Hause fühlen, wenn er raus schaut und nur Israeli sieht. Schlimmer aber wird es dann am Flughafen Tegel: Die Sicherheitsmassnahmen durfte auch Meckermann erfahren. Am Morgen aus Zürich eingereist, am Abend wieder heimgeflogen. Am Gepäck hatte sich nichts geändert, es war einzig eine Stange Zigaretten dazu gekommen. Aber halt: Am Schlüsselbund war ein Winzig-Taschenmesser nach Muster Militär, so schön rot samt Werbeaufdruck von Lanier. Die Schweizer Zöllner in Kloten hatten da nichts dagegen, dass dies mitgenommen wird nach Berlin. Aber der deutsche Zoll in seinem Wahn fand das sehr gefährlich und verbot den Transport im Rucksack. Also, Meckermann liess die Diskussionen (mit dem Zoll diskutieren heisst verlieren) und warf das Messer in den bereitstehenden Abfalleimer. Seltsam dann wieder: In der Luft konnte man Dutyfree einkaufen. Whiskyflaschen. Aus Glas. Sackmesser aus den USA. Das war erlaubt. Meckermann dachte sich, dass ein willentlicher Attentäter ja gar nichts mitschleppen muss: Eine Flasche Whisky, hochkant gesplittert, ist doch auch eine Waffe. Sicher gefährlicher denn ein Mini-Messer, dessen Klinge gerade mal vier Zentimeter lang ist. Und erst die Sandwiches am Board der Crossair – damit könnte man gut und gerne einen Piloten spitalreif prügeln, bevor man sich die eigenen Zähne dran raus beisst. Steinhartes Material, auch geeignet als Pflastersteinersatz. Die guten alten Swissairzeiten neigen sich wahrlich dem Ende. Die Dinosaurier sterben aus; noch ist aber keine andere koservativ-kommerzielle Spezies entdeckt worden. Die Geschäfte dümpeln, in Deutschland ist Rezession, doch, die Deutschen verarmen. Nicht alle natürlich, aber ein hübscher Teil. Deshalb wird ja so gespart. Rund viereinhalb Millionen Arbeitslose, das ist schon was. Da darf die Schweiz auch nicht nachstehen, wir sind bei gegen 100'000 Leuten, die von den anderen Leuten ernährt werden. Wie immer nicht gezählt: Ausgesteuerte, Sozialhilfeempfänger, Selbstmörder, Clochards, Alt-Manager, Ex-Verwaltungsräte, Alkoholiker, andere Suchthaufen, IT-Professionals, Fusionsopfer, Chronischkranke, Rollstuhlfahrer, Spitzenfussballer ohne Club. Auch diese Liste liesse sich verlängern, beliebig. Rundblick. Auf fünf Erwerbstätige hat es eben so viele Leutchen, die nichts zu tun haben oder denken, sie hätten nichts zu tun. Einen Behördenstaat kann man abschaffen, in dem mehr Beamte eingestellt werden. Aber wer stellt denn heute noch ein? Nur gut, gibt es die dritte Welt. So kann wenigstens Nestle einen Gewinn von runden 7 Mrd. CHF melden. Und alle afrikanischen Babies essen fortan nur noch Muttermilch aus Vevey. En guetä... |
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